Zweifel an der Arbeitsunfรคhigkeit? Ein Mitarbeiter ist โdauerkrankโ? Als Arbeitgeber sehe ich mich oft mit dieser Situation konfrontiert: Krankheitsmeldungen von Mitarbeitern hรคufen sich, wรคhrend die verbleibenden Kollegen unter zusรคtzlicher Belastung und รberstunden leiden. Das Unternehmen selbst erfรคhrt Nachteile durch verzรถgerte Produktion, verpasste Fristen und unzufriedene Kunden. In diesem Artikel erlรคutere ich:
Wann sind Zweifel an der Krankschreibung und Arbeitsunfรคhigkeitsbescheinigung berechtigt?
Wie kann ich als Arbeitgeber eine vorgetรคuschte Arbeitsunfรคhigkeit nachweisen?
Wie kommuniziere ich diese Zweifel meinem Arbeitnehmer?
Wann besteht Kรผndigungsschutz?
Darf ich wegen einer krankheitsbedingten Arbeitsunfรคhigkeit ordentlich oder auรerordentlich kรผndigen?
In der Arbeitswelt gibt es Situationen, in denen Zweifel an der Echtheit von Arbeitsunfรคhigkeitsbescheinigungen (AU) aufkommen kรถnnen. Als Arbeitgeber ist es entscheidend zu wissen, wie man in solchen Fรคllen vorgeht, ohne das Vertrauen der Mitarbeiter zu gefรคhrden. Im Folgenden gebe ich Ihnen einige Schritte und Ratschlรคge, die zur Klรคrung von Zweifeln an der Arbeitsunfรคhigkeit hilfreich sein kรถnnen:
Das direkte Gesprรคch suchen:
Kommunikation ist von groรer Bedeutung. Ich empfehle, das Gesprรคch mit dem betroffenen Mitarbeiter zu suchen, um eventuelle Zweifel auszurรคumen.ย
Obwohl Arbeitnehmer nicht verpflichtet sind, Details รผber ihre Krankheit offenzulegen, kann ein respektvolles Gesprรคch zur Klรคrung beitragen.
Frรผhzeitige Vorlage eines รคrztlichen Attests verlangen:
Nutzen Sie Ihr Direktionsrecht und fordern Sie Ihre Mitarbeiter auf, eine รคrztliche Bescheinigung frรผher vorzulegen.ย
Dies kann dazu beitragen, die Glaubwรผrdigkeit der Arbeitsunfรคhigkeit und Krankmeldung zu รผberprรผfen.
Wann sind Zweifel berechtigt?:
Gemรคร dem Sozialgesetzbuch (SGB V) sind Zweifel an Arbeitsunfรคhigkeiten gerechtfertigt, wenn bestimmte Muster auftreten.ย
Zum Beispiel, wenn ein Mitarbeiter ungewรถhnlich oft oder sehr kurz krankgeschrieben wird oder wenn die Arbeitsunfรคhigkeit hรคufig zu Wochenbeginn oder -ende auftritt.
Zusammenhangsanfrage bei der Krankenkasse stellen:
Bei berechtigten Zweifeln kรถnnen Sie eine „Zusammenhangsanfrage“ bei der Krankenkasse stellen.ย
Dabei wird รผberprรผft, ob vorherige Arbeitsunfรคhigkeiten aufgrund derselben Krankheit aufgetreten sind, was auf ein zugrunde liegendes Gesundheitsproblem hinweisen kรถnnte.
Gutachten vom Medizinischen Dienst (MD):
Der Medizinische Dienst ist eine unabhรคngige Gutachterstelle, die bei der Beurteilung von Arbeitsunfรคhigkeiten hilfreich sein kann.ย
Die Krankenkasse kann jedoch die Begutachtung ablehnen, wenn die Diagnose bereits eindeutig ist.
Das Thema hรคufiger Krankmeldungen, Leistungsmรคngel oder Arbeitsunfรคhigkeiten anzusprechen, ist entscheidend, um eine produktive Arbeitsumgebung zu gewรคhrleisten. Als Arbeitgeber ist es von Bedeutung, dieses Thema behutsam zu behandeln, ohne Vorwรผrfe zu erheben. Folgende Schritte kรถnnen dabei hilfreich sein:
Gezieltes Ansprechen:ย
Auch wenn es unangenehm sein mag, sollte ich den betroffenen Mitarbeiter gezielt auf das Thema hรคufige Arbeitsunfรคhigkeit ansprechen.ย
Der Schwerpunkt sollte darauf liegen, Lรถsungen zu erarbeiten, statt Schuldzuweisungen zu machen.
Verstรคndnis zeigen:ย
Ich zeige Verstรคndnis fรผr die Situation des Mitarbeiters und analysiere gemeinsam die Grรผnde fรผr das hรคufige Fehlen.ย
Es ist wichtig zu betonen, dass es darum geht, Unterstรผtzung zu bieten, um wieder in ein geregeltes Arbeitsleben zurรผckzufinden.
Ursachen identifizieren:ย
Mรถgliche Grรผnde fรผr hรคufiges Fehlen kรถnnten privater oder beruflicher Stress, psychische Belastungen, รberforderung oder hoher Leistungsdruck sein.ย
Ich erรถrtere mรถgliche Lรถsungen wie flexible Arbeitszeiten, Home-Office-Tage oder Urlaub, um den Mitarbeiter zu entlasten.
Aufgabenverteilung รผberprรผfen:ย
Ich stelle sicher, dass die Aufgaben fair verteilt sind und ein Mitarbeiter nicht mehr Arbeit hat als andere.ย
Offenheit fรผr Lรถsungsvorschlรคge seitens des Mitarbeiters ist ebenfalls von Bedeutung.
Eine gรคngige Ursache fรผr Kรผndigungen ist die Arbeitsunfรคhigkeit eines Arbeitnehmers aufgrund von Krankheit.ย
Voraussetzungen fรผr den Kรผndigungsschutz:
Das Kรผndigungsschutzgesetz (KSchG) bietet Arbeitnehmern einen gewissen Schutz vor ungerechtfertigten Kรผndigungen.
Um vom Kรผndigungsschutz des KSchG zu profitieren, muss ein Arbeitnehmer mindestens sechs Monate ohne Unterbrechung in einem Betrieb mit mehr als 10 Beschรคftigten tรคtig sein.
Definition der Arbeitsunfรคhigkeit:
Arbeitsunfรคhigkeit liegt vor, wenn ein Arbeitnehmer aufgrund von Krankheit nicht mehr in der Lage ist, seine vertraglich vereinbarten Aufgaben zu erfรผllen.
Unter bestimmten Bedingungen kann eine Arbeitsunfรคhigkeit eine personenbedingte Kรผndigung rechtfertigen.
Diese Fallgruppen kรถnnen eine krankheitsbedingte, ordentliche Kรผndigung rechtfertigen:
Hรคufige Arbeitsunfรคhigkeit: Wenn wiederkehrende Krankheitsausfรคlle das Arbeitsumfeld erheblich beeintrรคchtigen.
Dauerhafte Arbeitsunfรคhigkeit: Wenn der Arbeitnehmer in Zukunft nicht mehr in der Lage sein wird, vertragsgemรคร zu arbeiten.
Lang andauernde Arbeitsunfรคhigkeit: Bei unsicherer Genesung nach einer langen Krankheitsperiode.
Krankheitsbedingte Leistungsmรคngel: Wenn die Arbeitsleistung aufgrund von Krankheit erheblich unter den Vertragsanforderungen liegt.
Die ordentliche Kรผndigung aufgrund von Arbeitsunfรคhigkeit ist gerechtfertigt, wenn
eine negative Gesundheitsprognose vorliegt,
eine Beeintrรคchtigung der Interessen des Arbeitgebers besteht und
eine Interessenabwรคgung zugunsten des Arbeitgebers ausfรคllt.
Dies ist beispielsweise der Fall, wenn ein Arbeitgeber bei wiederholten, unabhรคngigen Kurzzeiterkrankungen eines Mitarbeiters fรผr mehr als sechs Wochen im Jahr zur Entgeltfortzahlung verpflichtet ist. (Beachten Sie, dass bei einer langandauernden Krankheit die Entgeltfortzahlung ohnehin auf sechs Wochen begrenzt ist.)
Auรerordentliche Kรผndigung:
Eine fristlose (auรerordentliche) Kรผndigung aufgrund einer Krankheit wird praktisch nie in Betracht gezogen.
Eine Krankheit kann dem Arbeitnehmer nicht zur Last gelegt werden und ist somit kein Pflichtverstoร.
Einzelfallbeurteilung:
Die Beurteilung der Arbeitsunfรคhigkeit erfolgt immer im Kontext des jeweiligen Einzelfalls.